Das Wagnis des Glaubens

Wir standen an den Niagarafällen, erzählte Corrie ten Boom, die bekannte holländische Evangelistin. Eine riesige Menschenmenge hatte sich am Abend versammelt, um einen berühmten Trapezkünsteler, der das Seil über die Wasserwogen gespannt hatte, bei seinen Vorführungen zu bewundern. Bei bengalischer Beleuchtung betrat er das Seil. Alles hielt den Atem an. Als er mit unwahrscheinlicher Geschicklichkeit die verwegensten Kunststücke ausführte. Nur ein unvorsichtiger Tritt, und der grausige Schlund hätte ihn verschlugen. Er stieg von dem Seil herunter, und großer Beifall belohnte ihn.

Der Künstler nahm hierauf eine Schiebkarre und balancierte damit über das Seil. Daraufhin belud der Mann die Schiebkarre mit Steinen und führte sie über das Todesseil. Als er im Rausch der Begeisterung vom Seil stieg, fragte er einen jungen Mann: „Glauben Sie, dass ich mit der Schiebkarre voll Steinen über die Wasserfälle fahren kann?“

„Aber natürlich!“

„Glauben Sie das wirklich?“

„Wie sollte ich nicht?“

„Wenn Sie das wirklich Glauben, dann werden Sie auch wissen warum.“

„Weil ich es gesehen habe, dass Sie die Schiebkarre hinübergefahren haben.“

„Nun, das Gewicht jener Steine ist bedeutend größer als Ihr Gewicht. Setzen Sie sich in die Karre. Ich fahre Sie hinüber.“

Das Gesicht des jungen Mannes wurde fahl, und er murmelte: „Ohne mich!“

Sicherlich kennen wir Menschen, deren Leben und Wandel uns bezeugt, dass die Schiebkarre des lebendigen Glaubens trägt. Aber sie können uns nicht die eigene Entscheidung abnehmen. Wir können uns am Jüngsten Tag nicht hinter ihrem Glauben verstecken. Jede Erfahrung der Gnade in unserem Leben macht die eigene Entscheidung nur noch dringender und unaufschiebbarer.

Es nützt uns auch wenig, dass wir gewaltige Prediger kenne oder gehört haben, dass wir Träume und Gesichte, Zeichen und Wunder erlebt haben. Es nützt uns nichts, wenn wir nicht das Wagnis eingegangen sind, das Wagnis des Glaubens, zu dem das Kreuz Jesu auffordert. Es ist ein Wagnis auf Himmel und Hölle, es erfordert den größten Mut, den es gibt. Aber die Schiebkarre trägt, und das Seil ist tod- und höllensicher gebaut.

 

Aus „Hört ein Gleichnis“ S. 136


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